Fine Art Prints, 30x40cm / Edition of 10

Business Plants is a series of photographic portraits showing plants who all live in business environments of German companies. The images have a focus on the personality of the plants, especially on the way they adapt to the space and circumstances they live in. These Plants are the weakest of the weakest in business life. They cannot walk away, they cannot take a break, they cannot quit their job, they just have to do or die.

Exhibitions: 2012  Kunstraum Morgenstrasse, Karlsruhe / 2015 @ Karl Anders, Hamburg

 

BUSINESSPLANTS / 2009-2015

Der Arbeitsalltag der postindustriellen Gesellschaft bietet ein unerschöpfliches Reservoir an Erzählungen und Bildern; ob als Sitcom, als kritischer Leitartikel oder als die Statistik eines Bundesamtes, aus der wir etwas über die soziopolitischen und wirtschaftlichen Umstände der arbeitenden Bevölkerung heute lernen sollen. Oft geht es dabei um Enthüllungen, um Situationen, die erniedrigend oder ungerecht sind und dennoch im Alltag als „normal“ abgewunken oder gleich tabuisiert werden – um Mobbing, Diskriminierung, um Ausbeutung oder Selbstausbeutung. Es geht also darum, Menschen zur Sprache kommen zu lassen, die bislang zu Schweigen hatten, da ihre Geschichten vielleicht den „reibungslosen Betrieb“ und die Machtverhältnisse ins Schwanken gebracht hätten. Was wir aber allzu gerne vergessen, ist, dass die Menschen nicht die einzigen Wesen im Betrieb sind. Kakteen, Drachenbäume und Schefflera bevölkern Arztpraxen und Kanzleien, Werbe- und Arbeits-agenturen, um ein wenig „Leben“ zwischen die Aktenstapel und Bildschirme zu bringen. Dass es sich hierbei tatsächlich um Leben handelt, fällt schnell unter den Tisch. Büropflanzen enden oft als bloße Dinge, deren Anspruch auf Fürsorge – das bisschen Wasser – kaum ernst genommen wird. Genausowenig ein Anspruch auf Schönheit, wenn sie halbvertrocknet in einer Ecke abgestellt werden und nur unter Verrenkungen das nötige Sonnenlicht erreichen – hier ist es in der Tat nicht mehr weit zu der Entfremdung und der Austauschbarkeit, dem „Hochbücken“ der Menschen im Arbeitsalltag. In seiner Fotoserie „Businessplants“ zeigt uns Frederik Busch Portraits solcher Pflanzen im Betrieb. Portraits, da wir die Bürobotanik hier mit Eigennamen und knappen Charakterisierungen vorfinden und schnell erkennen, dass diese Pflanzen eben „auch nur Menschen“ sind, die in ihrem tragikomischen Dasein in ganz alltägliche Fragestellungen um Beziehungen, Musik und Fitness verwickelt sind. Dass dieser Alltag sich nicht allzu paradiesisch gestaltet, steht außer Frage. Der humoris-tische Zugang, den Frederik Busch gewählt hat, erlaubt es uns jedoch, an diese Pflanzen als Individuuen, eben als Mitlebewesen heranzutreten und nicht als Dinge, die lediglich der zivilisatorischen Überlegenheit der menschlichen Spezies ausgesetzt sind.


Jacob Birken